Josephina Kersten, Krebspatientin:
»Für mich ist das Medikament wie so mein Rettungsschirm.«

Josephina Kersten ist 30 Jahre alt und Mutter zweier Kleinkinder, als sie die Diagnose bekommt: Triple-negatives Mammakarzinom – ein besonders aggressiver Brustkrebs.

Josephina Kersten, Krebspatientin:
»Als es dann hieß, das ist Krebs und muss mit einer Chemotherapie behandelt werden, habe ich erst gemerkt: Okay, es ist wirklich Krebs. Der kann mich umbringen.«

Zusätzlich zur Chemotherapie fließt über Monate das Medikament Keytruda in Kerstens Körper, das sie ihren »Rettungsschirm« nennt. Die Krebsbehandlung hinterlässt Spuren: Kersten verliert ihre Augenbrauen und büschelweise Haare.

Josephina Kersten, Krebspatientin:
»Trotz Nebenwirkungen, von denen ich einige über die Monate mitgenommen habe, würde ich es immer wieder so machen.«

Der Wirkstoff von Keytruda heißt »Pembrolizumab« – und gilt als Gamechanger in der Krebstherapie. Er lässt das eigene Immunsystem Krebszellen effektiver erkennen und zerstören.

Susanne Amann, SPIEGEL:
»Wir haben mit vielen Patient:innen wie Josephina gesprochen, denen das Medikament Keytruda tatsächlich Hoffnung auf ein zumindest längeres und vielleicht auch besseres Leben schenkt. Das ist auch gut so –  aber es hat auch einen Haken.«

Denn Keytruda ist das umsatzstärkste Medikament der Welt. Die Behandlung von Josephina Kersten mit dem Mittel des US-amerikanischen Unternehmens MSD kostete mehr als 90.000 Euro.

Susanne Amann, SPIEGEL:
»Das Problem ist, dass Pharmafirmen wie MSD die Preise für neue Medikamente in Deutschland erstmal einfach festsetzen können. Erst nach einer gewissen Dauer, nämlich nach sechs bis zwölf Monaten, fangen überhaupt die Verhandlungen zwischen Krankenkassen und Herstellern an.

Dass die Krankenkassen diese Medikamente bezahlen, ist richtig, und das ist ja auch gut so. Aber es ist eben auch ein Problem: Der SPIEGEL, das ZDF und internationale Medien haben herausgefunden, dass Pharmafirmen wie MSD die Preise für solche Medikamente künstlich hochhalten.  Und gezahlt wird das am Ende von den Arbeitnehmerinnen, Arbeitnehmern und Arbeitsgebern, von den Beitragszahlern –  also von uns, den Versicherten.«

Während ihrer Therapie machte Josephina Kerstens Sohn seine ersten Schritte. Momente, die keiner in Geld messen mag.

Susanne Amann, SPIEGEL:
»Und trotzdem müssen wir genau hinschauen: Denn hier geht es darum, dass die Pharmafirmen das deutsche System maximal ausreizen – und es damit irgendwann nicht mehr zu finanzieren ist.

Jetzt hoffen alle auf Nina Warken. Die Bundesgesundheitsministerin hat eine Expertenkommission einberufen, die ihr Ende März 66 ganz konkrete Vorschläge vorgelegt hat, wie man das System retten kann. Darunter auch die klare Empfehlung, die Medikamentenpreise massiv zu beschneiden. Allein mit drei Maßnahmen könnten so bis zu sieben Milliarden Euro pro Jahr gespart werden.

Unsere ganze Recherche findet ihr auf SPIEGEL.de.«