Kontakt mit Chemikalien? Drei Tote bei Arbeitsunfall in Gerberei in Hessen

Stand: 17.04.2026 • 06:00 Uhr

In Runkel sind bei einem Arbeitsunfall in einer Lederfabrik und Pelzgerberei drei Menschen ums Leben gekommen. Zwei weitere schweben in Lebensgefahr. Was genau den Opfern zustieß, ist noch unklar.

In einer Lederfabrik und Pelzgerberei in Runkel (Limburg-Weilburg) ist es zu einem schweren Arbeitsunfall gekommen. Wie die Polizei am Donnerstagabend mitteilte, kamen dabei drei Menschen ums Leben, zwei weitere wurden schwer verletzt in Krankenhäuser gebracht.

Was genau passierte, ist noch unklar. Laut Polizei wurden die fünf Menschen am Nachmittag von einem Mitarbeiter der Fabrik reglos in einer Grube der Gerberei gefunden. Im Moment gingen die Behörden davon aus, dass es in der Grube zu einer Kohlenmonoxidvergiftung gekommen sei, die zum Tod der Arbeiter geführt habe, sagte Innenminister Roman Poseck (CDU) vor Ort.

Keine Gefahr für die Bevölkerung

Die Feuerwehr vermutete, dass auch Chemikalien eine Rolle gespielt haben könnten. In der Grube seien Gase gemessen worden, die für das Unglück ursächlich sein könnten, sagte Kreisbrandmeister Rene Schultheis dem hr. Einen Gefahrstoffaustritt gebe es aber nicht. Für die Bevölkerung habe zu keiner Zeit Gefahr bestanden.

Die beiden Menschen, die verletzt worden seien, schwebten jedoch in Lebensgefahr. Am Donnerstagabend waren rund 150 Rettungskräfte von Polizei, Feuerwehr und Gefahrenabwehr im Einsatz. Nach Angaben der Bürgermeisterin von Runkel, Antje Hachmann, kamen auch drei Rettungshubschrauber zum Einsatz.

"In dieser Klärgrube sind die Endprodukte der Gerberei, und die können natürlich auch Dämpfe entwickeln", sagte Schultheis. "Wir können nicht sagen, welche Stoffe es genau sind, weil das Endprodukte der Gerberei sind."

Der Arbeitsunfall löste einen Großeinsatz aus.

Einsatzkräfte werden dekontaminiert

In dem Betrieb werde mit verschiedenen Chemikalien gearbeitet, so das Innenministerium. Daher würden die Einsatzkräfte, die direkt mit den Verletzten in Kontakt standen, dekontaminiert und vorsorglich untersucht. Betroffen seien 45 bis 50 Einsatzkräfte.

Poseck sprach von einem außergewöhnlichen Einsatz. "Die Einsatzkräfte sind auf eine schwer einzuschätzende Lage getroffen." Für die Dekontamination seien sehr schnell Schleusen aufgebaut worden.

Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) sagte am Abend, er sei zutiefst erschüttert. "Ich bin in Gedanken bei den Angehörigen und wünsche den Verletzten viel Kraft und baldige Besserung." Rhein und Poseck dankten allen Kräften, die vor Ort "mit großem Einsatz geholfen haben".

Kripo ermittelt

Wie die Polizei am Freitag mitteilte, übernimmt nach dem Unfall nun die Kriminalpolizei die Ermittlungen. Zunächst gehe es darum, die genaue Todesursache der Opfer zu klären.